Fachklinik für Lungenerkrankungen
Immenhausen











Aus der Geschichte des Krankenhauses und seines Trägers

Die Tuberkulose war zu Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Volksseuche, der viele Menschen zum Opfer fielen. Die Behandlungsmöglichkeiten waren begrenzt, im Vordergrund stand die Pflege Schwerkranker, die in Allgemeinkrankenhäusern aus seuchenhygienischen Gründen keine Aufnahme finden konnten.

Eine Gruppe engagierter Bürger sah bereits 1887 in der Errichtung einer entsprechenden Behandlungs- und Pflegeeinrichtung eine dringende Aufgabe. Im Jahre 1903 nahm der Plan konkrete Gestalt an, als an Kaisers Geburtstag die Frage erörtert wurde, auf welche besondere Weise Landgraf Philipp der Großmütige (geb. 13.11.1504) anlässlich seines bevorstehenden 400jährigen Geburtstages geehrt werden könne. Die beim Festmahl versammelten Personen, vorwiegend Mitglieder des Konsistoriums des Diakonissenkrankenhauses Kassel, fassten den Entschluss, "eine Anstalt zur Aufnahme in erster Linie für Tuberkulose, sodann auch für an Geschwülsten Leidende zu errichten und diese Anstalt nach dem erlauchten Landgraf `Philippstift´ zu benennen, um so ein Erinnerungszeichen im Geiste der tätigen Glaubensliebe des großen Fürsten zu schaffen".

Einige Wochen später fand im evangelischen Vereinshaus Kassel, die erste größere Versammlung von Anhängern verschiedener Konfessionen und Parteien unter dem Vorsitz von Pfarrer Sardemann statt, die sich mit Gründungsfragen des Philippstiftes beschäftigte. 1905 waren die Bestrebungen so weit gediehen, dass ein Verein gegründet werden konnte. Die erste Satzung stammt vom 10.02.1905, die Eintragung in das Vereinsregister in Kassel erfolgte am 10.04.1905.

Es kam zunächst darauf an, Baukapital zu sammeln. Dem Vorsitzenden des Vereins, Pfarrer Sardemann, gelang es, durch Spenden von Bürgern, Industrie und Handel bis zum Jahre 1907 die Summe von 145.000,- Mark zusammenzubringen.

Die schwierige Frage nach dem geeigneten Standort der Anstalt wurde nach langem Suchen und ergebnislosen Verhandlungen durch Entgegenkommen der Stadt Immenhausen endlich gelöst, die ein geeignetes Grundstück zum damals günstigen Preis von 10.365,- Mark zur Verfügung stellte.

1908 wurde mit dem Bau begonnen, am 15.05.1909 konnte das Haus mit zunächst 36 Betten seiner Bestimmung übergeben werden. Mit der späteren Aufnahme von Leichtkranken wurde die Bettenzahl auf 50 erhöht.

Im ersten Weltkrieg wurde das "Philippstift" Reservelazarett, zunächst für verwundete und später für lungenkranke Soldaten.

Die Nachkriegsplanung sah eine Erweiterung vor, um tuberkulosekranke Kinder aufnehmen zu können, jedoch musste diese Absicht wegen der allgemein ungünstigen wirtschaftlichen Lage zunächst aufgeschoben und später aufgegeben werden.

Während des zweiten Weltkrieges und in den Nachkriegsjahren nahm die Tuberkulose als Folge starker physischer und psychischer Belastungen der Bevölkerung, wegen unzureichender Ernährung und schlechter Wohnverhältnisse mit zu vielen Menschen in zu kleinen Wohnungen erheblich zu. Eine Erweiterung der vorhandenen Bettenkapazität war unumgänglich. So musste 1943 eine Krankenbaracke auf dem Gelände des Philippstiftes aufgestellt werden, zumal die Verlegung der Tuberkulosestation des Stadtkrankenhauses Kassel nach Immenhausen notwendig wurde. Unter dem Zwang der ungünstigen epidemiologischen Situation beschloss die Mitgliederhauptversammlung am 30.05.1947, die Anstalt zu erweitern und zu modernisieren. Die Schwierigkeiten lagen zunächst in der Beschaffung des Baumaterials und nach der Währungsreform von 1948 in der Finanzierung des Projektes, da die ursprünglich in Aussicht gestellten staatlichen Zuschüsse nicht mehr ausgezahlt werden konnten.

Dem starken persönlichen Einsatz von Landeshauptmann Häring und Chefarzt Dr. Susewind war es zu verdanken, dass der erste Erweiterungsbau tatkräftig vorangetrieben werden konnte. Unter Mitwirkung des paritätischen Wohlfahrtsverbandes folgte in den Jahren von 1953 bis 1956 die Fertigstellung des 2. Anbaues.

Mit Besserung der allgemeinen Lebensbedingungen ab 1950, der Entwicklung und Standardisierung erfolgreicher Operationsverfahren, der Einführung neuer und sehr effektiver Medikamente in der Tuberkulosebehandlung und der Dokumentation der Behandlungsergebnisse mit nachfolgenden Therapierichtlinien durch den Landestuberkulosearzt konnte eine stetige Abnahme der Erkrankungshäufigkeit erreicht werden. Die Tuberkulose verlor den Charakter einer Volksseuche, für den Erkrankten selbst wurde sie zu einer heilbaren Krankheit mit relativ kurzer Behandlungsdauer, für die Umgebung sank das Infektionsrisiko in früher nicht vorstellbarem Maße.

Die Tuberkulose hatte an Bedeutung und Schrecken verloren, andere Lungenkrankheiten nahmen zu, in erster Linie der Lungenkrebs.

Es traten weiterhin die durch das Rauchen bedingte chronische Bronchitis, das Asthma bronchiale, allergisch bedingte Bronchialleiden und andere unspezifische, also nicht tuberkulöse Krankheiten hinzu. Das Fachgebiet der Lungenheilkunde - die Pneumologie - musste sich mit einem verbreiterten Diagnostik- und Behandlungsangebot der veränderten Gegebenheiten anpassen.

Damit war eine Umstrukturierung der ehemaligen Lungenheilstätten in allgemeine pneumologische Fachkliniken unumgänglich.

Im Zuge dieser Entwicklung entschlossen sich Vorstand und Verwaltungsrat bereits 1968 zu einer Umbenennung der Heilstätte "Philippstiftung" e.V. in "Fachklinik für Lungenerkrankungen". Damit bekam die Auffassung der Gründer, nicht nur Tuberkulosekranke, sondern auch an "Geschwülsten Leidende" zu behandeln, wieder aktuelle Bedeutung.

Im Laufe der folgenden Jahre konnte im Rahmen allgemeiner Modernisierungsmaßnahmen mit einem stetigen Ausbau der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten ein medizinischer Standard erreicht werden, der den Forderungen einer modernen Lungenheilkunde gerecht wird. Die günstige Entwicklung ist das Verdienst aller, die sich beruflich und ehrenamtlich der Klinik zur Verfügung gestellt haben. 

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